Sedimentmanagement in Staustufenketten - Notwendigkeit und Herausforderungen am Beispiel der Lech-Stufe 2 Prem

Im Stauraum der Lech-Stufe 2 mündet der Halblech, der mit seiner dynamischen Abflusscharakteristik hohe Sedimentfrachten trägt. Durch veränderte Randbedingungen im Einzugsgebiet des Halblechs kam es in den vergangenen Jahren zu einem beständigen Vorwachsen eines Mündungsdeltas.
Durch gezieltes Sedimentmanagement sollen die entstandenen Geschiebeareale als Standort der Deutschen Tamariske aufrechterhalten werden, aber auch im Bereich der vorwiegenden Feinsedimentablagerungen die Flachwasserbereiche mit Habitaten für Watvögel und Laichplätze. Im Rahmen einer systemischen Betrachtung sind sowohl die ökologischen als auch morphologischen Eigenschaften der Sedimente zu berücksichtigten.

1 Einführung

Die Lech-Stufe 2 Prem befindet sich im Unterwasser der Lech-Stufe 1 Rosshaupten und ist weiterhin durch die Mündung des Halblechs in den Stauraum charakterisiert (Bild 1). Wie die gesamte Staustufenkette am Lech wurde auch diese Stauanlage sowohl zur Energiegewinnung wie auch dem Hochwasserschutz, der Niedrigwasserführung sowie als Stützschwellenkraftwerk zur Vermeidung weiterer Eintiefungen in den tertiären Molasse-Untergrund im Zeitraum 1968 bis 1971 errichtet [1]. Folglich ist hierdurch der Sediment- und Geschiebetransport eingeschränkt, welcher teilweise durch mechanische Geschiebeweitergaben ausgeglichen wird [2]. Die hochdynamische Abflusscharakteristik des Halblechs hat mit veränderten Randbedingungen im Einzugsgebiet in den vergangenen Jahren zu einem Vorwachsen der Halblech-Mündung in den Stauraum der Stufe 2 Prem geführt und bedingt seither das beständige Vorwachsen eines Mündungsdeltas, welches gemeinsam mit dem Stauraum einem kontinuierlichen Monitoring im Rahmen der Bauwerksüberwachung unterliegt. Heute ist das Mündungsdelta charakterisiert durch Geschiebe- und auch Feinsedimentareale, wobei der Bestand der grobkörnigen Flächen bei voranschreitender Gefälleabflachung nur durch mechanische Eingriffe als Standort der Deutschen Tamariske aufrechterhalten und vor weiterer Verbuschung geschützt werden kann (Bild 2). Im Bereich der vorwiegenden Feinsedimentablagerungen haben sich dagegen Flachwasserbereiche mit Lebensbereichen für Watvögel und auch Laichplätze entwickelt.



Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasserwirtschaft - Heft 02-03 (März 2022)
Seiten: 5
Preis inkl. MwSt.: € 10,90
Autor: Dr. Bernd Kottke-Wenzel
Dr. Julia Jaenicke
Cornelia Häckl

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