Das Dürrerisiko des Wasserkraftsektors in Baden-Württemberg

Die Niedrigwasserereignisse und damit einhergehende Stromerzeugungsverluste der letzten Jahre veranlassen die Frage nach der Verwundbarkeit des Wasserkraftsektors in Baden-Württemberg (BW). Da das Potenzial in BW zur Stromerzeugung an Fließgewässern weitestgehend erschöpft ist, kommt einer Risikoanalyse zur Identifizierung potenzieller Handlungsmaßnahmen zur Minimierung zukünftiger Verluste eine besondere Bedeutung zu. Dieser Beitrag analysiert das Dürrerisiko, identifiziert dessen Treiber und gibt potenzielle Einblicke in zukünftige Verlierer und Gewinner.

1 Einleitung

Die Niedrigwasserereignisse der vergangenen Jahre verursachten enorme Ausfalle in der Stromerzeugung und haben damitdie Verwundbarkeit der Wasserkraft in Baden-Wurttemberg (BW) verdeutlicht. Mit derzeit rund 2 100 Wasserkraftanlagen (WKA) gewinnt Baden-Wurttemberg (BW) ca. 8 % seiner Energie durch Wasserkraft [1]. Da Studien zum Ausbaupotenzial der Wasserkraft in BW nur ein geringes Neubaupotenzial zeigen, sollte zukunftig die Leistungs- und Effizienzsteigerung bestehender Laufwasser- und Ausleitungskraftwerke im Fokusliegen [2]. Eine Grundlage fur entsprechende Bewirtschaftungskonzepte bildet die Abschatzung des Dürrerisikos, mit dessen Hilfe potenzielle Auswirkungen und deren Treiber quantifiziert werden konnen [3]. Das Dürrerisiko der Wasserkraft, definiert als das Auftreten von Stromerzeugungsverlusten durch Niedrigwasser, beruht auf dem Wechselspiel der Naturgefahr (negative Anomalie der hydroklimatischen und hydrologischen Situation) und der Vulnerabilitat (standortspezifische Faktoren, Managementfaktoren). Derzeitige Studien zur Potenzialermittlung für den Ausbau der Wasserkraftnutzung auf Bundes- und Landes-Ebene verwenden lediglich eine theoretische Angabe fur das technische Potenzial, welche nur bis zu einem gewissen Grad mit der eigentlichen Energieerzeugungskapazitat an einem Standort zusammenhangt [2], [4]. Standortspezifische Charakteristika werden nur bedingt mit in die Analysen eingebunden. Um Handlungsmaßnahmen zuformulieren ist es notwendig, die aktuelle Situation des Wasserkraftsektors bezüglich Erzeugungsverluste durch Dürre und Niedrigwasser besser zu beleuchten.

Ziel dieser Studie ist daher die standortabhangige Analysevon Einflussfaktoren auf das Durrerisiko. Dabei verknupft die Studie

  1. eine Umfrage unter Wasserkraftbetreibern und
  2. eine Berechnung der Stromproduktion, um
  3. anhand von Abflussszenarien eine mogliche Entwicklungder Stromproduktion unter klimatisch veranderten Bedingungenzu prüfen.

2 Methoden und Daten

2.1 Umfrage unter Wasserkraftbetreibern

Im Sommer 2018 wurden 424 Wasserkraftbetreibern Fragen zu ihren Lauf- und Ausleitungs-WKA, der Fuhrungsform der WKA sowie zur Wassernutzung in der Umgebung gestellt und Informationen über den Umgang der WKA-Betreiber mit Dürreereignissen zusammengetragen.



Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasserwirtschaft - Heft 06 (Juni 2021)
Seiten: 4
Preis inkl. MwSt.: € 10,90
Autor: Caroline Siebert
Dr. Veit Blauhut
Prof. Dr. Kerstin Stahl

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