Strategien zur Vermeidung von Mikroplastikemissionen der Kunststoffindustrie

Kunststoff in der Umwelt nimmt aktuell eine zentrale Stellung im gesellschaftlichen und politischen Diskurs ein. Im Rahmen einer Befragung von rund 100 Stakeholdern wurden die Bedeutung von Mikroplastikemissionen der Kunststoffindustrie konkretisiert sowie Treiber, Hemmnisse und geeignete Gegenmaßnahmen ausdifferenziert.

Seit Mitte des 20. Jahrhunderts steigt die Kunststoffproduktion und der Einsatz des Materials an. Weltweit wurden im Jahr 2018 rund 359 Mio. t Kunststoff produziert. In Deutschland belief sich die Produktion im Jahr 2018 auf 18,9 Mio. t. Davon werden ca. 35 % in der Verpackungsindustrie, ca. 22 % im Baugewerbe, ca. 12 % im Fahrzeugbau, ca. 7 % in Elektrogütern, jeweils < 5 % in Haushaltswaren, Möbeln, Medizin und in der Landwirtschaft eingesetzt. Die verbleibenden ca. 18 % verteilen sich zu kleineren Anteilen auf sonstige Branchen. Die steigenden Produktionsmengen sind insofern problematisch, als dass entlang der Wertschöpfungskette bei der Herstellung von Kunststoff sowie beim Gebrauch und der (unsachgemäßen) Entsorgung von Gütern, die Kunststoff enthalten, es zu Emissionen von größeren und kleineren Kunststoffpartikeln mit einem Durchmesser von < 5 mm (sogenanntes Mikroplastik) in die Umwelt kommt. Infolgedessen können Kunststoffpartikel und weitere Schadstoffe, deren toxische Auswirkungen bislang nur wenig bekannt sind, in Ökosysteme und unsere Nahrungskette gelangen und gesundheitliche Probleme hervorrufen. In diesem Zusammenhang steht dabei insbesondere der Eintrag von Mikroplastik in der fluvialen, limnischen und marinen Umwelt im Fokus, da Oberflächengewässer den Hauptverbreitungspfad des (Mikro-) Plastiks in der Umwelt darstellen. Untersuchungen identifizieren verschiedene Quellen für die Emissionen von Mikroplastik in die Umwelt, unter anderem Reifenabrieb, Textilien, Pellets, die als Grundmaterial dienen, Baufarben, Straßenfarben und Kosmetika. Neben dieser Identifikation der wichtigsten Eintragspfade von Plastikpartikeln in Gewässer müssen für die Behandlung der Mikroplastikproblematik in Gewässern das Ausmaß auf Grundlage belastbarer Daten beziffert und anschließend im gemeinsamen Dialog mit relevanten Stakeholdern Lösungsansätze erörtert werden. Beides sind Ziele des vom BMBF geförderten Projektes EmiStop, das im Zeitraum von Januar 2018 bis Juni 2021 Kunststoffbelastungen des Abwassers von Kunststoffproduzierenden und -verarbeitenden Betrieben systematisch erfasst und Optimierungsstrategien bei der Abwasseraufbereitung entwickelt und analysiert, um den Eintrag von Mikroplastik über den Abwasserpfad zu reduzieren.



Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasser und Abfall 05 (Mai 2021)
Seiten: 6
Preis inkl. MwSt.: € 10,90
Autor: M.Sc. Joke Czapla
Dipl.-Ing. Wolf Raber
Dr. rer. oec. Özgür Yildiz

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