Verbesserung des Prozessverständnisses der Kraftwerkspassage von Aalen durch neuartige Ansätze

Die Passage einer Wasserkraftanlage kann bei abwärts wandernden Fischen zu schweren Schäden führen, welche beispielsweise durch Rechen und Bypässe, fischangepasstes Turbinenmanagement und fischangepasste Turbinen reduziert werden können. Es werden zwei Ansätze dargestellt, die das Prozessverständnis während der Kraftwerkspassage verbessern können. Beide Ansätze bieten die Möglichkeit, die Auswirkungen von Wasserkraftanlagen auf abwandernde Aale besser zu verstehen
und diese in der Bemessung und Planung von Wasserbauwerken zu berücksichtigen.

Querbauwerke in Kombination mit Wasserkraftanlagen können Fische und deren Wanderungen in Fließgewässern negativ beeinflussen. So kann die Durchgängigkeit der Gewässer beeinträchtigt, die Fragmentierung und Reduktion der Lebensräume weiter vorangetrieben sowie die direkte Mortalität von Fischen erhöht werden. Besonders Langdistanzwanderfische, wie der Europäische Aal (Anguilla anguilla), sind von dieser Problematik betroffen. Oft ist die Passage durch eine Wasserkraftanlage die einzige Wanderroute für flussabwärts wandernde Fische. Aufgrund von Schädigungsmechanismen, wie Kollisionen, Scherkräften und rapiden Druckänderungen kann es zu
hohen Schädigungs- und Mortalitätsraten der Fische kommen. Unterschiedliche Schutzmaßnahmen, wie modifizierte Turbinen, angepasstes Turbinenmanagement, Fang- und Transportmaßnahmen und Rechen-Bypass-Systeme, können helfen, die Mortalität zu verringern. Die Schutzwirkung dieser Maßnahmen ist standortabhängig und von der konkreten Ausgestaltung der Maßnahme sowie den biologischen Ansprüchen der Zielart abhängig. Die Schutzwirkung wird oft mit Hilfe von Lebendtieruntersuchungen
im Zuge von Funktionskontrollen oder Monitoringmaßnahmen überprüft. Aus ethischen und tierschutzrechtlichen Gesichtspunkten ist es unter der Berücksichtigung
des sogenannten 3-R-Prinzips (Replace, Reduce und Refine) erstrebenswert, die Zahl und den Umfang von Lebendtieruntersuchungen zu reduzieren. Inhalt des vorliegenden
Beitrags ist es, zwei Verfahren vorzustellen und zu diskutieren, mit denen die biologische Bewertung von Bestandteilen einer Wasserkraftanlage möglich ist und die in Zukunft als Ergänzung für Lebendtieruntersuchungen genutzt werden können.



Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasserwirtschaft - Heft 12 (Dezember 2020)
Seiten: 5
Preis inkl. MwSt.: € 10,90
Autor: Elena-Maria Klopries
Univ.-Prof. Dr.-Ing. Holger Schüttrumpf

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