Vom Wassernotstand zum integrierten Wasserkonzept

Ausgehend von einer akuten Versorgungsknappheit transformiert die Gemeinde Mühltal ihre Wasserversorgung mit einem integrierten Wasserkonzept von einem rein operativ getriebenen Betrieb hin zu
einer strategisch geleiteten Organisation. Vorhandene Informationen aber auch Projektionen der öffentlichen Wasserversorgung werden zusammengeführt.

Wie in anderen Kommunen brachten die Trockenperioden in 2019/2020 die Wasserversorgung der Gemeinde Mühltal an die Grenzen der Leistungsfähigkeit. Ursache waren nachlassende Quellschüttungen und parallel Spitzenwerte in der Trinkwasserabnahme, u. a. auch zur Gartenbewässerung. Der Ortsteil Frankenhausen war durch fehlende Verbindung zum Hauptwassernetz der anderen Ortsteile besonders betroffen. Hier kam es 2019 zu einem ernstzunehmenden Versorgungsengpass.
Die Wasserabnahme war über 7 Tage höher als die Wassergewinnung. In der lokalen Presse wurde das Thema aufgegriffen und der Begriff Wassernotstand geformt, da auf Grund des sinkenden Wasserpegels im Hochbehälter bereits Wasser mit Tanklastern aus anderen Ortsteilen geliefert werden musste.

Die Gemeinde Mühltal ist eine Flächengemeinde mit rund 14.000 Einwohnern. Die Wasserversorgung besteht aus einem eigenen Versorgungsnetz mit ca. 100 km Rohrnetzlänge, 21 eigenen Brunnen und Quellen und 7 eigenen Hochbehältern, die in einem eigenen kommunalen Wasserwerk organsiert sind. Personell ist das Wasserwerk mit 6 Stellen ausgestattet und organisatorisch im Sachgebiet Infrastruktur des Bauamts angegliedert. Der Wasserverbrauch liegt bei insgesamt 650.000 m³/a. Davon müssen vom übergeordneten Versorger ca. 50 % zugekauft werden. Die Infrastruktur wurde wie in vielen Kommunen in den vergangenen Jahren stiefmütterlich behandelt, während die Verbräuche und Anforderungen an die Qualität stetig gestiegen sind. Aufgerüttelt durch die Wasserknappheit, wurde nun die Erstellung eines strategischen Wasserkonzeptes gefordert und durch die Politik unterstützt. Eine besondere Herausforderung war dabei, dass unmittelbar notwendige hohe Investitionen, wie die Standortsuche für neue Tiefbrunnen, die Sanierung großer Netzabschnitte oder der Bau eines neuen Hochbehälters, bereits unabhängig vom Wasserkonzept gestartet werden mussten.



Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasser und Abfall 04 (April 2021)
Seiten: 4
Preis inkl. MwSt.: € 10,90
Autor: Dipl.-Wirtsch.-Ing. Karsten Kutschera

Artikel weiterleiten In den Warenkorb legen Artikel kommentieren


Diese Fachartikel könnten Sie auch interessieren:

Wassersensible und klimagerechte Stadt- und Regionalentwicklung im Ruhrgebiet
© Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (11/2021)
Der Emscher-Umbau übernimmt als Europas größtes Infrastrukturprojekt die Rolle eines Impulsgebers für eine wassersensible Stadt- und Regionalentwicklung. Für die nachhaltige Transformation der Emscher- Region werden wasserwirtschaftliche Themen mit städtebaulichen, ökologischen und gesellschaftlichen Handlungsfeldern verknüpft. Dabei kommen im Rahmen eines transformativen Governance-Ansatzes verschiedene Planungs- und Dialogformate zum Einsatz.

Auswirkungen der Dürreverhältnisse 2018-2020 auf die Grundwasserstände in Mitteldeutschland
© Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (11/2021)
Die Jahre 2018-2020 waren außergewöhnlich trocken! Hiervon waren nicht nur menschliche Nutzungen, wie Land- und Forstwirtschaft oder Wasserversorgung, sondern auch der Naturraum, insbesondere aquatische Ökosysteme, betroffen. Ein besonders stark getroffenes Gebiet ist hierbei der mitteldeutsche Raum, der ohnehin durch geringe Niederschläge und Grundwasserneubildung charakterisiert ist. Im Rahmen der Studie wurden die Pegelstände von über 220 Grundwassermessstellen in Mitteldeutschland untersucht und das historische Ausmaß des Wasserdefizits aufgezeigt.

Zum Klimawandel im Harz und seinen Auswirkungen auf die Wasserwirtschaft
© Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (9/2021)
Mit deinen relativ hohen Niederschlägen in den Hochlagen und seine Talsperren spielt der Harz eine wichtige Rolle bei der Trinkwasserversorgung in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Mit dem Projekt "Energie- und Wasserspeicher Harz" zur Anpassung an den Klimawandel und dem beispielgebenden "Integrierten Gewässer- und Auenmanagement Oker im Nördlichen Harzvorland" werden zwei Projekte vorgestellt, in denen auf den Klimawandel reagiert wird.

Bundesprogramm Blaues Band an der Schnittstelle zwischen Wasserstraße, Wasserwirtschaft und Naturschutz
© Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (9/2021)
Intakte Flüsse und Auen sind nicht nur für den Naturschutz, die biologische Vielfalt und den Biotopverbund von Bedeutung, sondern erbringen weitere vielfältige Ökosystemleistungen. Das Bundesprogramm Blaues Band Deutschland (BBD) trägt dem Rechnung und vereint die Interessen von Wasserwirtschaft, Naturschutz, Freizeit und Erholung. Damit setzt es wichtige Impulse für die Entwicklung der Wasserstraßen des Bundes.

Die Nationale Wasserstrategie
© Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (9/2021)
Mit der Vorstellung des Entwurfs der Nationalen Wasserstrategie durch das Bundesumweltministerium am 8. Juni 2021 endete ein dreijähriger Dialogprozess. Im Entwurf der Nationalen Wasserstrategie werden alle Fragen und Antworten zum Umgang mit Wasser in Deutschland bis 2050 gebündelt.

Name:

Passwort:

 Angemeldet bleiben

Passwort vergessen?