Ermittlung von Abflussbeiwerten zur hydraulischen Bemessung von Fischaufstiegsanlagen in Schlitzpassbauweise

Die biologische Durchgängigkeit von Fließgewässern ist von großer Bedeutung für den natürlichen Gewässerausbau. Schlitzpässe sind insbesondere bei geringen Platzverhältnissen akzeptiert und geeignet, um die biologische Durchgängigkeit wiederherzustellen. In dieser wissenschaftlichen Abhandlung werden anhand von eigenen Laboruntersuchungen sowie der Auswertung von Literaturdaten etablierter Bemessungsformeln bezüglich der Wasserstand-Abfluss-Beziehung und der Abflussbeiwerte analysiert. Somit kann der Anwendungsbereich der Gleichungen zur Bestimmung der Abflussbeiwerte erweitert und die Anwendung für die Praxis vereinfacht werden.

Fischaufstiegsanlagen (FAA) sind Wasserbauwerke, die errichtet werden, um die biologische Durchgängigkeit von Fließgewässern zu gewährleisten. Sie finden überwiegend dort Verwendung, wo zum Beispiel der naturnahe Gewässerbau mit wirtschaftlichen Forderungen oder technischen Randbedingungen in Konflikt steht. An Querbauwerken im Fließgewässer muss eine Möglichkeit der Migration von Fischen sowie anderen aquatischen Lebewesen sowohl stromaufwärts und als auch stromabwärts geschaffen werden. Für die stromaufwärts gerichtete Migration kommen FAA zum Einsatz. Diese können in unterschiedlichen Formen und Konstruktionen errichtet werden. Anlagen in Schlitzpassbauweise, auch Schlitzpässe genannt, sind beckenartige FAA, die sich besonders durch ihre platzsparende Konstruktion für den Bau an bestehenden Staustufen
mit eingeschränkten Platzverhältnissen eignen. In Schlitzpässen teilen Querwände ein gleichmäßig geneigtes Gerinne in einzelne Becken auf. Die Wanderung der Fische erfolgt durch die Schlitze auf gesamter Höhe zwischen Quer- bzw. Trennwand und Umlenkblock. Durch den Versatz der Schlitze, Umlenkblöcke und Leitelemente an den Querwänden wird die Strömung gelenkt. Es wechseln sich Bereiche hoher Fließgeschwindigkeit in den Schlitzen mit Ruhebereichen in den Becken ab. Somit kann die Gesamtwasserspiegeldifferenz zwischen Ober- und Unterwasser in einzelnen „Stufen“ überwunden werden. Durch die Ausbildung der Schlitzöffnung über die gesamte Höhe der Beckenquerwände kann ein breites Wasserstand-Abfluss-Spektrum abgedeckt und die Wanderung von Fischen und Benthos ermöglicht werden.



Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasserwirtschaft - Heft 02/03 (Februar 2021)
Seiten: 6
Preis inkl. MwSt.: € 10,90
Autor: M. Eng. Jessica Mohlfeld
Prof. Dr.-Ing. habil. Mario Oertel

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