Forschungsprojekt INTEWAR: Hochwasser und Dürre in Kamerun

In Kamerun treten klimabedingt immer häufiger Extremwetterlagen auf,
die Hochwasser und Dürre verursachen. Gleichzeitig wächst die Bevölkerung
rapide, was dazu führt, dass sich Menschen unkontrolliert in Überschwem-mungsgebieten ansiedeln. Aufgrund der kritischen hygienischen Praktiken kommt es daraufhin immer wieder zu Epidemien in der Bevölkerung. Mit dieser Problematik beschäftigt sich das BMBF-Forschungsprojekt „INTEWAR – Innovative Technologien zur Eindämmung wasserassoziierter Krankheiten“.

Das Forschungsprojekt INTEWAR widmet sich dem Themenkomplex Hochwasser, Dürre und zivile Sicherheit in Kamerun. Ein Konsortium unter Leitung des Forschungsinstituts für Wasser- und Abfallwirtschaft an der RWTH Aachen (FiW) e. V. will dafür während der dreijährigen Projektlaufzeit in Kamerun Schutz- und Versorgungskonzepte für die lokale Bevölkerung entwickeln und in den routinemäßigen Ablauf vor Ort integrieren. Das Verbundvorhaben ist Anfang Mai 2020 gestartet und wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) zur Richtlinie „IKARIM – Internationales Katastrophen- und Risikomanagement" im Rahmen des Programms „Forschung für die zivile Sicherzeit" der Bundesregierung.

Wasserversorgung und Hygiene in Kamerun

Im Zuge des Klimawandels ist weltweit von einer Zunahme der Häufigkeit und Intensität von Extremwetterereignissen auszugehen. Kamerun ist aufgrund seiner meteorologischen Verhältnisse häufig von Überschwemmungen durch Starkregenereignisse betroffen. Gleichzeitig stellen aber auch lang anhaltende Trockenperioden eine Herausforderung für die Trinkwasserversorgung dar. Lediglich 60 % der Bevölkerung haben Zugang zu einer Basiswasserversorgung, in ruralen Gebieten sogar weniger als 40 %. Einen Hausanschluss an das staatliche Versorgungsnetz haben nur 20 % der Einwohner, was jedoch aufgrund des maroden Zustands der Leitungen keine Garantie für sauberes Trinkwasser darstellt. Ein Großteil der Bevölkerung versorgt sich stattdessen mit Wasser aus Brunnen und anderen natürlichen Wasserquellen, deren Qualität meist nicht näher bestimmt ist.

Eine Abwasserentsorgung nach europäischem Standard existiert in dieser Weise in Kamerun nicht. Da nur etwa 1 % der privaten Haushalte über einen Anschluss an das zentrale Abwassersystem verfügt, nutzt der Großteil der Bevölkerung stattdessen selbst gegrabene Klärgruben zur Entsorgung von Fäkalien. Nur Haushalte mit höherem Einkommen können sich die Entleerung der Gruben in einem vier- bis fünfjährigen Turnus leisten. Der Grubeninhalt wird von den zuständigen Unternehmen i.d.R. unkontrolliert am Rande der Siedlungen deponiert. Einkommensschwächere Haushalte nutzen die regelmäßigen Überschwemmungen, um die Fäkalientanks ihrer Bebauungen zu entleeren, sodass der Inhalt weggespült und unkontrolliert verteilt wird. Die Überflutungen, z. B. infolge von Starkregenereignissen, fungieren somit als Katalysatoren für die Verbreitung von Krankheitserregern und gesundheitsschädigenden Chemikalien in der Umwelt. Wasserbedingte Erkrankungen, wie Typhus oder Cholera treten regelmäßig auf, genauso wie unbekannte Belastungen von Wasser und Böden mit Gefahrstoffen, die mittel- und langfristig schwerwiegende Folgen haben können. Die Bevölkerung ist sich oft nicht über die Auswirkungen ihrer mangelhaften Hygienepraktiken bewusst und wenig informiert.



Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasserwirtschaft - Heft 07/08 (August 2020)
Seiten: 2
Preis inkl. MwSt.: € 10,90
Autor: Mark Braun

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