Bachmuschelschutz bei der Gewässerunterhaltung - Chance statt Problem

Die Dosse ist in Brandenburg auf etwa 20 km von der streng geschützten Bachmuschel (Unio crassus) besiedelt. Dies macht eine Ausrichtung der Gewässerunterhaltungsarbeiten an Artenschutzbelangen erforderlich. Eine das Gewässer entwickelnde Unterhaltung wurde angestoßen. Es profitieren viele Arten, zugleich wird ein Beitrag zur Umsetzung der EG-Wasserrahmenrichtlinie geleistet und das Landschaftsbild aufgewertet. Nicht nur die Gewässerunterhaltung, sondern auch die Sichtweise der an ihr Beteiligten hat sich Dank der Bachmuscheln weiterentwickelt.


1 Wasserwirtschaftliche Einordnung

Der nordostdeutsche Tieflandfluss Dosse ist mit rund 96 km Länge ein bedeutender rechter Zufluss der Havel im Flusssystem der Elbe. Das Landesamt für Umwelt Brandenburg ist für die Gewässerunterhaltung auf rund 37 km zuständig, 20 km davon sind von der Bachmuschel besiedelt. Das durch Ausbau begradigte und vertiefte Gewässer ist mehrfach staureguliert (serielle Diskontinuität) und wird intensiv unterhalten. Es fließt durch Siedlungen sowie überwiegend landwirtschaftlich genutzte Flächen und ist durch ein signifikantes Hochwasserrisiko gekennzeichnet. Einige Dosseabschnitte verlaufen zwischen Deichen, die abschnittsweise den Charakter von Stauhaltungsdämmen haben.

2 Naturschutzrechtliche Ausgangssituation

Der Gesamtbestand der Bachmuscheln in der Dosse wird auf weit über 100 000 Tieren geschätzt und als ein für Brandenburg bedeutendes Vorkommen eingestuft. Bild 1 zeigt das Ergebnis einer Muschelerfassung innerhalb eines Transektes in einem besonders gut besiedelten Abschnitt.

Bei allen Gewässerunterhaltungsarbeiten sind neben den im Wasserrecht verankerten Vorgaben naturschutzrechtliche Bestimmungen zu beachten. Die Bachmuschel ist eine streng geschützte Art nach Anhang 1 der Bundesartenschutzverordnung und wird in den Anhängen II und IV der FFH-Richtlinie geführt. Aus den artenschutzrechtlichen Bestimmungen des § 44 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) ergibt sich, dass Bachmuscheln weder getötet noch gestört sowie deren Fortpflanzungs- und Ruhestätten nicht beeinträchtigt werden dürfen. Da die Tiere aufgrund ihrer geringen Mobilität von Maßnahmen der Gewässerunterhaltung stark betroffen sein können, ergibt sich ein hohes Konfliktpotenzial bzw. ein entsprechender Handlungsbedarf. Wer hierbei nur an Eingriffe in das Sediment denkt, greift zu kurz. Bachmuscheln dürfen im Zuge der Gewässerunterhaltung nicht durch die Entnahme aus dem Wasser getötet werden (Austrocknung, Prädatorenexposition). Verletzungen durch Arbeitsgeräte sind zu vermeiden. Aber auch die Gewässersohle als Lebensraum der Bachmuschel in ihrer strukturreichen Ausbildung muss erhalten bleiben, so dass die Muscheln dort als Jungmuschel und adultes Tier existieren und sich erfolgreich fortpflanzen können. Zudem dürfen die Wirtsfische als im Sinne des § 44 Abs. 1 Nr. 3 Bundesnaturschutzgesetz geschützte Fortpflanzungsstätten [2] nicht in einem für die Bachmuscheln nachteiligen Umfang beeinträchtigt werden. Der Schutz der Bachmuschel und ihrer Wirtsfische erfordert daher Änderungen der üblichen Unterhaltungspraxis bei Sohlenkrautung, Böschungsmahd und dem Umgang mit Totholz.



Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasserwirtschaft - Heft 02/03 (März 2020)
Seiten: 6
Preis inkl. MwSt.: € 10,90
Autor: Daniel Schmidt
Antja Strelow

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