Methoden und Einsatzgebiete Wissenschaftlicher Taucher

Bei wasserbaulichen Anlagen wie Talsperren sind kontinuierliche Untersuchungen und eine intensive Überwachung technischer, geologischer, biologischer und hydrologischer Parameter notwendig. Eine Möglichkeit hierfür ist der Einsatz wissenschaftlich geschulten Tauchpersonals, das Aufgaben von Standsicherheitsuntersuchungen an Wasserbauwerken und subaquatischen Böschungen über Wasserqualitätsanalysen bis hin zur fachspezifischen Kartierung und Überprüfung technischer Anlagen übernimmt.

Wasserbauliche Anlagen bedürfen ebenso wie natürliche Gewässer einer intensiven wissenschaftlichen Betreuung und Überwachung. Problemstellungen aus den Bereichen der Geo- und Umweltwissenschaften müssen interdisziplinär behandelt werden. Weite Teile des Untersuchungsgebietes liegen dabei unter der Wasseroberfläche. Vorhandene Daten sind häufig unscharf oder wenig aussagekräftig. Es bedarf daher einer umfassenden und genauen Herangehensweise zur wissenschaftlichen Untersuchung oder Prüfung. Dem Wissenschaftlichen Taucher (SD–Scientific Diver/Diving) ist es möglich, Untersuchungen direkt am Objekt (handnah) durchzuführen. Dies gewährleistet eine deutlich erhöhte Datenqualität, da er konkret sieht, was er misst, beprobt oder prüft.

Zudem können während der Untersuchung wichtige Umgebungsbedingungen, z. B. das lokale Auftreten spezieller Biomarker, dokumentiert werden. So lässt sich bei der Gesamtbetrachtung des Systems eine deutlich erhöhte Datenquantität erreichen. Im Folgenden präsentieren wir typische Techniken und Einsatzgebiete eines SD sowie deren Vor- und Nachteile im Vergleich zu herkömmlichen Methoden. Hiermit sollen den zuständigen Baulastträgern Anreize und Verbesserungsvorschläge im Rahmen der Gewässeruntersuchung und Anlagenunterhaltung nahegebracht und ein interdisziplinärer Dialog zu diesem Thema initiieren werden.

Herkömmliche Methoden

Herkömmliche Methoden liefern häufig eine Fülle an Daten mit geringem Arbeitsaufwand im Gelände, die insbesondere für Überblickserhebungen gut geeignet sind. Unterwasser-Roboter zur Ersterkundung, Berufstaucher für technische Arbeiten oder Fachpersonal auf Booten sind typische Beispiele. Alle drei Optionen haben jedoch im Vergleich mit Wissenschaftlichen Tauchern gravierende Nachteile: sie sind häufig aufwändig, teuer und den wissenschaftlichen Anforderungen nicht gewachsen.

Insbesondere im Bereich der Bauwerksprüfung ist zudem die Zertifizierung zum geprüften Sachverständigen unerlässlich. Die gewissenhafte Umsetzung wissenschaftlicher Arbeitsmethoden ist von allergrößter Bedeutung. Die sachgerechte handnahe Prüfung unter Wasser befindlicher Bauteile an Ingenieurbauwerken erfolgt daher durch SD.



Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasserwirtschaft - Heft 01 (Januar 2020)
Seiten: 4
Preis inkl. MwSt.: € 10,90
Autor: Richard Stanulla
steffen Hein
Dr. Thomas Pohl

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