Nutzung von Radardaten im Starkregenrisikomanagement in Baden- Württemberg

Im Handlungskonzept des Kommunalen Starkregenrisikomanagements in Baden-Württemberg ist das Krisenmanagement eine der wichtigsten Aufgaben. Quantitative online Radardaten sind für das Krisenmanagement bei Starkregen von hohem Wert, und werden daher in Baden-Württemberg in Rahmen von FLIWAS3 bereitgestellt. Allerdings sind diese Daten relativ neu und für Nutzer auch ungewohnt. Es gibt Unsicherheiten, ob die Qualität für Onlinenutzung ausreicht und wie die Werte bewertet werden sollen bzw. wie sie ins Krisenmanagement eingebunden werden können. In diesem Beitrag wird die Qualität der bereitgestellten Daten aufgrund der Präkalibrierung beschrieben. Aus den derzeit laufenden umfangreichen Arbeiten zur Integration der Radardaten in die Hochwasserbewältigung in Baden-Württemberg wird die Erstellung einer Interpretationshilfe vorgestellt.

1 Einleitung

Ein zentraler Bestandteil des Handlungskonzepts des Starkregenrisikomanagements (SRRM) ist das Krisenmanagement. Im Unterschied zu Hochwasser an Gewässern gibt es hier nur sehr kurze Vorwarnzeiten und Pegeldaten an kleinen oder sehr kleinen Gewässern stehen nur im Ausnahmefall zur Verfügung. Zur Bewertung des Ereignisses sowie der Entscheidung über Maßnahmen werden quantitative Niederschlagsdaten benötigt.

Diese werden in der Regel auf Basis von Messungen an Bodenstationen erhoben. Bodenmesswerte sind - insbesondere bei Starkregenereignissen - nicht für eine größere Fläche repräsentativ, da Niederschlagszellen meist sehr kleinräumig, beweglich und/oder inhomogen sind.

Eine Abbildung eines Starkregenereignisses ist nur mit Hilfe eines - in der Regel nicht vorhandenen - sehr dichten Niederschlagsmessnetzes möglich. Das Landesmessnetz ist hierfür nicht ausreichend. Teilweise wurden von Kommunen oder Verbänden vereinzelt lokale engmaschige Niederschlagsmessnetze aufgebaut und betrieben.

Starkniederschläge werden auch mittels Radardaten abgebildet. Im Gegensatz zu Bodenmessungen decken Radardaten das Gesamtgebiet vollflächig ab, aber unterschiedliche Effekte machen die Rohdaten der Radarmessungen für eine direkte quantitative wasserwirtschaftliche Nutzung ungeeignet. Daher werden diese Daten einer Kalibrierung bzw. Aneichung unterzogen.

Für damit angestrebte zeitnahe wasserwirtschaftliche Nutzungen ist es daher von entscheidender Bedeutung, ob die zeitnah nach der Messung zur Verfügung gestellten präkalibrierte Daten verlässlich nutzbar sind bzw. welche Verlässlichkeit zu erwarten ist.

In Baden-Württemberg wurde der Weg beschritten, diese Daten zentral von einem Dienstleister (Meteologix AG/Kachelmannwetter) bereitstellen zu lassen. Die Möglichkeiten der Nutzung dieser Daten als virtuelle Regenschreiber im Rahmen von FLIWAS3 (Flut-Informations-und Warnsystem www.fliwas3.de) in Baden-Württemberg wurden von Moser [3] bereits beschrieben.

Seit der Bereitstellung der virtuellen Regenschreiber in FLIWAS3 standen in den Diskussionen mit den Nutzern zwei Fragen im Hinblick auf die praktische Anwendung des Krisenmanagements im Fokus:

  • Wie gut ist die Qualität der quantitativen Radardaten bzw. für welche Einsatzbereiche können die Daten als verlässlich angesehen werden? Und wie sind die Erfahrungen im Vergleich zu Bodenmessstationen einzuordnen?
  • Wie können die Daten im Starkregenfall für das Krisenmanagement interpretiert werden und wie können die Daten in die Alarm- und Einsatzpläne eingearbeitet werden?

In diesem Artikel werden daher die in den beiden Fragen aufgeworfenen Themen näher betrachtet.



Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasserwirtschaft - Heft 12 (Dezember 2019)
Seiten: 5
Preis inkl. MwSt.: € 10,90
Autor: Prof. Markus Weiler
Dr. Andreas Hänsler
Janek Zimmer
Dipl.-Ing. Markus Moser

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