Auenrevitalisierung im Nationalpark Donau-Auen bei Wien

Durch die Einrichtung des Nationalparks können für die Donauauen bei Wien sehr intensive wasserbauliche Revitalisierungs-Programme durchgeführt werden. Zielsetzung ist eine möglichst weitreichende Reaktivierung der flussmorphologischen Landschaftsprozesse (Erosion, Anlandung etc.), auf denen sich die auentypischen Lebensräume in ihrer Sukzessionsreihe und Artenvielfalt entwickeln können. Wesentliche Maßnahmen sind dabei die Entfernung der Uferbefestigung und die Anbindung der Seitenarme. Die Wasserstraße Donau und der Hochwasserschutz können dabei gewährleistet werden.

Die Donau bei Wien war vor der Regulierung ein stark verzweigender und von eindrucksvollen Umlagerungen gekennzeichneter Wildfluss (Bild 1). Dieser historische Zustand ist kartographisch gut dokumentiert. Eine Beschreibung der Vegetationsverhältnisse ist durch die Bearbeitungen von Reissek (um 1860) [4] verfügbar, mehrere zumeist jagdlich geprägte Beschreibungen des Tierlebens wurden veröffentlicht, und auch die fischereiliche Nutzung und die Beschreibungen der Schifffahrt liefern viele Hinweise.

Es ist dies keine vom Menschen völlig unbeeinflusste Situation, sie wird aber dennoch als visionäres Leitbild des Nationalparks verwendet und bietet ein Bewertungskriterium für heutige Maßnahmen und Entwicklungen. Denn diese können danach beurteilt werden, ob sie das Nationalparkgebiet näher an das visionäre Leitbild heranführen oder die Abweichung verstärken.

Dieser visionär angestrebte Zustand ist nicht nur durch Landschaftsbild, Artengemeinschaften und Lebensraumtypen gekennzeichnet, sondern vor allem durch die in ihm wirkenden natürlichen Abläufe und Prozesse, welche die Flusslandschaft als großräumiges und dynamisches Ökosystem aufgebaut haben. Die historische Donaulandschaft mit all ihren Übergangszonen und Wechselwirkungen kann heute nicht mehr wiederhergestellt werden. Wesentliche Flächenteile, Lebensraumtypen, Umweltgegebenheiten und die Prozesse der Landschaftsbildung sind jedoch erhalten geblieben oder können reaktiviert werden - darauf beruht die Ernennung zum Nationalpark mit 1. Januar 1997.

Die wirtschaftliche Nutzung (Forstwirtschaft, Jagd, Fischerei, Wiesenflächen, Äcker) wurde damit beendet. Weiterhin wirksam sind im Nationalpark der Betrieb der Donau als internationale Wasserstraße, der Erhalt der bestehenden Hochwasserschutzdämme und Infrastrukturanlagen (Stromtrassen etc.) sowie die in Nationalparken vorgesehene menschliche Nutzung für Naturerlebnis und Erholung.

Als Folge der Donauregulierung zeigt sich die Donau im Nationalparkabschnitt heute als begradigtes Fließgewässer mit einer Gerinnebreite von 340 m, beidseitig befestigten Uferböschungen (welche an Innenbögen übersandet und verwachsen sind) und abgedämmten Seitenarmen (Bild 2). Zur Verbesserung der Schifffahrtsverhältnisse wurden Buhnen und Leitwerke errichtet, der Überflutungsbereich wird am Nordufer durch einen Hochwasserschutzdamm begrenzt. Der mediane Korndurchmesser des Sohlenmaterials wird mit 29 mm angegeben, das Geschiebetransportvermögen liegt bei etwa 350 000 m3/a. Als Folge der stromauf liegenden Kraftwerkskette wird in diesen Flussabschnitt kein Geschiebe eingetragen. Würden keine Gegenmaßnahmen gesetzt, wäre eine Sohlenerosion von 2-5 cm/a festzustellen. Bei Mittelwasser beträgt der Abfluss knapp 2 000 m3/s, bei Niederwasser 970 m3/s [1], [2].



Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasserwirtschaft - Heft 11 (November 2019)
Seiten: 6
Preis inkl. MwSt.: € 10,90
Autor: Dr. Christian Baumgartner

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