Editorial: Zwischen Digitalisierung und Mikroplastik

Eigentlich könnte der Kontrast der Themen, die in diesem Jahr auf der IFAT en vogue waren, kaum größer sein. Auf der einen Seite wird mit dem „Internet of Things“ die Digitalisierung forciert, die inzwischen auch die Entsorgungswirtschaft voll erfasst hat. Auf der anderen Seite kämpfen Bürger und NGOs und teilweise die Politiker gegen die Automobil-Lobby, die es nicht schafft oder nicht schaffen will, für gesundheitsverträgliche Lebensbedingungen in Städten zu sorgen (Stichwort Stickoxide).

Foto: B.Weidlich(21.06.2018) Und dann wäre das Problem des Mikroplastiks, das gar nicht überall so „mikro“ ist, wie die Bezeichnung glauben macht. Die Bundesbürger sehen Kunststoffabfälle grundsätzlich kritisch: 71 Prozent der Verbraucher stufen Plastikmüll als eine ernste bis sehr ernste Gefahr für die Umwelt ein. 72 Prozent fordern, bereits bei der Herstellung auf die spätere Entsorgbarkeit der Produkte zu achten. So ermittelte es der „IFAT Environment Index 2018“, für den 1000 Bundesbürger repräsentativ befragt wurden. Und kurz vor Redaktionsschluss erreichte uns der WWF-Report „Plastikfalle Mittelmeer“ mit dem vernichtenden Gesamturteil, dass alles noch dramatischer ist als bisher bekannt. „Die Konzentration der kleinen Kunststoffpartikel im Mittelmeer ist fast viermal so hoch, wie die des „Plastikwirbels“ im nördlichen Pazifik: Bis zu 1,25 Mio. Fragmente finden sich pro Quadratkilometer“, so der WWF-Report. Prompt kommt der Ruf nach Plastiksteuer, Tütenverbot und anderen gesetzlichen Beschränkungen. Der Aufschrei ist groß. Niemand will im Grunde die staatliche Bevormundung – weder im Autoverkehr (Stichwort Fahrverbote), noch in der Produktion und schon gar nicht, wenn es um Konsumgüter, etwa Sonnencremes, Imprägniermittel, Medikamente oder ach so nützliche Verpackungen geht. Doch im gesellschaftlichen Diskurs ist der Staat gefragt. Es geht leider nicht ohne Reglementierung, da der menschliche Egoismus und das Streben nach Profit meist wirkungsvoller sind als die persönliche Einsicht in richtiges Verhalten. Aus Gesprächen auf der Messe geht hervor, dass es kaum einen Unternehmensvertreter gibt, der nicht schärfere Gesetze fordert...

Autorenhinweis: Martin Boeckh, Redaktionsleitung ENTSORGA-Magazin
Foto: B. Weidlich



Copyright: © Deutscher Fachverlag (DFV)
Quelle: Nr. 3 - Juni 2018 (Juni 2018)
Seiten: 1
Preis inkl. MwSt.: € 0,00
Autor: Martin Boeckh

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