Chloridazon-Metaboliten im Grundwasser am Niederrhein – Konzentrationsniveau, Ursachen und Anwendungsbeschränkungen

Der Tätigkeitsbereich des Erftverbands in der Niederrheinischen Bucht ist eines der Zentren des Rübenanbaus in Deutschland. Zur Unkrautbekämpfung wird hier bereits seit Jahrzehnten das Herbizid Chloridazon eingesetzt. Analysen von Proben aus annähernd 700 Grundwassermessstellen, Brunnen und Quellen ergaben nahezu flächenhafte Nachweise des Metaboliten Desphenylchloridazon bei Konzentrationen von bis zu 50 μg/l. Die Zulassungsbehörde hat bereits erste Anwendungsbeschränkungen erlassen.

Unter dem obersten Grundwasserstockwerk wird der überwiegend aus quartären sandigkiesigen Terrassenablagerungen des Rheins und der Maas aufgebaute obere Grundwasserleiter in seiner gesamten Mächtigkeit verstanden. Diese kann bis zu 80 Meter betragen, liegt meist aber zwischen 10 und 30 Metern. Kennzeichnend für diesen Aquifer ist neben einer größtenteils hohen Durchlässigkeit eine direkte Beeinflussung durch Stoffeinträge aus der ungesättigten Zone. Die Basis des obersten Grundwasserstockwerks wird in der Regel durch einen grundwasserstauenden Horizont – oft quartäre oder tertiäre Tonschichten oder Braunkohlenflöze – gebildet. In selteneren Fällen setzt sich das oberste Stockwerk aus oberflächennah anstehenden tertiären Sedimenten zusammen, die meist feinsandig sind.

Die Verbandsaufgabe der Erkundung wasserwirtschaftlicher Grundlagen schließt auch die regelmäßige Beprobung von Grundwassermessstellen und Brunnen sowie die Analysen der Proben ein, die im verbandseigenen Labor durchgeführt werden. 2014 wurden beispielsweise 843 im obersten Grundwasserstockwerk verfilterte Messstellen beprobt und dabei bedingt durch die unterschiedlichen Probennahmeturni 1.043 Proben entnommen.

Der Beprobungsturnus wird in Abhängigkeit von der Dynamik der hydrochemischen Prozesse im Grundwasserleiter bzw. der Stoffeinträge festgelegt. Messstellen, deren Filter sich in mehreren hundert Metern Tiefe befinden und beispielsweise keinerlei anthropogenen Einfluss in den gewonnen Grundwasserproben erkennen lassen, haben einen zwei- oder dreijährigen Beprobungsturnus. Ist eine Messstelle an der Grundwasseroberfläche verfiltert und zeigt eine innerjährige Dynamik bei der Entwicklung der Wasserinhaltsstoffe, wird sie monatlich beprobt. Die überwiegende Zahl der Messstellen im obersten Grundwasserstockwerk unterliegt einem jährlichen Beprobungsturnus.



Copyright: © wvgw Wirtschafts- und Verlagsgesellschaft Gas und Wasser mbH
Quelle: Heft 09 - 2015 (September 2015)
Seiten: 9
Preis inkl. MwSt.: € 4,00
Autor: Dr. Nils Cremer

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