Juni-Hochwasser 2013 an der Elbe – neue Fragestellungen

Ein verheerendes Hochwasser mit historisch höchsten Hochwasserständen – aber weiter wie bisher? Bisher deutet vieles darauf hin. Aber das fundierte „Lernen aus der Katastrophe“ muss in ein „Lernen für die Katastrophe“ münden. Neue Fragestellungen ergeben sich hinsichtlich des Einsatzes neuer Technologien (z. B. Drohnen) und der Nutzung der „neuen Medien“ sowie sozialer Netzwerke für die Einbindung ehrenamtlicher Helfer. Daneben bleibt die Hochwasservorsorge die wichtigste Tagesaufgabe.

Im Juni 2013 wurde das Einzugsgebiet der Elbe erneut von einem verheerenden Hochwasser getroffen. In weiten Bereichen der Saale und der unteren Mittelelbe wurden die höchsten jemals gemessenen Wasserstände seit Pegeleinrichtung zum Teil um mehrere Dezimeter überschritten. In Bild 1 ist zu erkennen, dass in diesem Jahr Sachsen-Anhalt in besonderem Maße betroffen war. Drei wesentliche Merkmale haben das Juni-Hochwasser 2013 im Elbe-Einzugsgebiet charakterisiert:
- Das Hochwasser hat eine flächendeckende Betroffenheit in fast allen Bundesländern innerhalb des Elbe-Einzugsgebietes verursacht und neben den Elbe- vor allem die Saaleanlieger betroffen. Damit verbunden war ein immenser Einsatz von Ressourcen der ehren-und hauptamtlichen Katastrophenschutzkräfte – und das über einen vergleichsweise langen Zeitraum.
- Die Hochwassersituation war in weiten Teilen der betroffenen Gebiete durch eine „Außergewöhnlichkeit“ gekennzeichnet. Solche Szenarien sind, insbesondere an der Saale und der unteren Mittelelbe, bis dahin nicht aufgetreten und erforderten ein permanentes Reagieren auf unbekannte wasserwirtschaftliche Situationen – vielfach jenseits der Bemessungsgrenzen der technischen Hochwasserschutzanlagen.
- Die Lage an Elbe und Saale wurde durch zwei nahezu zeitgleich auftretende große Deichbrüche bei Breitenhagen und Fischbeck deutlich verschärft. Für zehntausende Einwohner der betroffenen Regionen bestand eine unmittelbare Gefährdung für Leib und Leben,und sie mussten schnell evakuiert werden. Die Überflutung infolge der Deichbrüche betraf insgesamt ca.230km² – eine bisher in Deutschland bei Hochwasserereignissen nicht erreichte Größenordnung.



Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasserwirtschaft 03/2015 (April 2015)
Seiten: 4
Preis inkl. MwSt.: € 10,90
Autor: Prof. Dr. Robert Jüpner

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