Wissenschaftliche Konzepte für ein Monitoring des ökologischen Zustands des deutschen Küstenmeeres

Aussagen zum Zustand und der Entwicklung von Küstenmeeren können nur durch langfristige Beobachtungen und Modellansätze erfolgen. Im Verbundprojekt WIMO (Wissenschaftliche Monitoringkonzepte für die Deutsche Bucht) werden Konzepte und Messverfahren entwickelt und bewertet, die sowohl grundsätzliche wissenschaftliche Fragestellungen behandeln, als auch den Anforderungen des behördlichen Monitorings im Rahmen der europäischen Gesetzgebung genügen.

In Küstenmeeren bestehen komplexe Wechselwirkungen zwischen physikalischen und biogeochemischen Prozessen und Lebensgemeinschaften, die zunehmend dem Druck menschlicher Eingriffe ausgesetzt sind. Ein Systemverständnis und die Beschreibung und Bewertung von Zuständen, Trends und Variabilitäten setzt spezifisches Wissen über Teilsysteme und deren Interaktion voraus, und kann nur durch die Kombination von Naturbeobachtungen und Modellbildung erfolgen [1]. Die systematische und langfristige Beobachtung von Zustandsgrößen in der marinen Umwelt wird als Meeresmonitoring bezeichnet [2].

Wissenschaftliche Messkampagnen zielen meist auf das Grundlagenverständnis von Prozessen. Observationen werden hier von Forschergruppen typischerweise in kürzeren Kampagnen in hoher räumlicher und zeitlicher Auflösung unter Verwendung jeweils modernster Messtechnik durchgeführt. Im Unterschied dazu ist das behördliche Monitoring im Rahmen hoheitlicher Aufgaben in der Regel in langfristige Programme integriert (www.blmp-online.de/), verfolgt einen synoptischen Ansatz zur Beschreibung von Zuständen [3] und vermeidet nach Möglichkeit zu viele Wechsel von Messverfahren, um konsistente Zeitreihen für die Identifikation von Trends zu ermöglichen. Selbstverständlich gibt es auch Forschungseinrichtungen, die langfristige Beobachtungen durchführen, wie etwa die Zeitreihen zu Plankton und physikalisch-chemischen Parametern in Helgoland Reede [4], Sylt [5] oder das Forschungsprogramm COSYNA [6]. Andererseits gestalten auch Behörden allein oder in Zusammenarbeit mit Forschungsinstitutionen Messkampagnen mit wissenschaftlicher Zielrichtung, etwa die Messkampagnen zur Wellenausbreitung der Forschungsstelle Küste (FSK), oder Arbeiten der Bundesanstalt für Wasserbau (BAW) zum Verständnis von Schwebstoffdynamik in Tideflüssen [7].


Autoren:
Christian Winter, Alexander Bartholomä, Ruggero Capperucci, Ulrich Callies, Christian Heipke, Alena Schmidt, Helmut Hillebrand, Christian Reimers, Peter Bremer, Reto Weiler


[1] Winter, C, Bartholomä, A. (2006) “Coastal dynamics and human impact: south-eastern North Sea”, an overview. Geo-Marine Letters 26:303-303
[2] MSRL (2008) Richtlinie 2008/56/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 17. Juni 2008 zur Schaffung eines Ordnungsrahmens für Maßnahmen der Gemeinschaft im Bereich der Meeresumwelt (Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie)
[3] Schleider, W. (2000) 5x synoptische Vermessungen der deuschen Küstengewässer der Nordsee. Die Küste, 62, 2000, 37-51
[4] Wiltshire, K. H., Kraberg, A. et al. (2010). Helgoland roads: 45 years of change, Estuaries and Coasts, 33
[5] Van Beusekom, J. E. E. (2005). A historic perspective on Wadden Sea eutrophication. Helgol. Mar. Res. 59: 45-54.
[6] Riethmüler, R., Colijn, F., Krasemann, H., Schroeder, F., & Ziemer, F. (2009, May). COSYNA, an integrated coastal observation system for Northern and Arctic Seas. In OCEANS 2009-EUROPE (pp. 1-7). IEEE.:295-310
[7] Maushake, C. (2007). Untersuchungen zur Schwebstoffdynamik im Elbeästuar auf Basis von ADCP-Messungen. Die Küste, 72, 125-143.



Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasser und Abfall 07-08/2014 (September 2014)
Seiten: 6
Preis inkl. MwSt.: € 10,90
Autor: Christian Winter

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