Editorial: Ideen sind gefragt

Eigentlich sollten an dieser Stelle die Ergebnisse der Koalitionsverhandlungen zwischen SPD und CDU diskutiert werden, doch bis Redaktionsschluss gab’s noch nicht viel Greifbares. Die Kreislaufwirtschaft soll weiterentwickelt werden, und dass die bundesweite Wertstofftonne endlich kommen soll, ist ebenfalls Konsens. Aber ob es ein Wertstoffgesetz geben wird, ist genauso fraglich wie ehrgeizigere Recyclingquoten, wie es die Entsorger- Verbände schon lange fordern.

Foto: privat(26.11.2013)  Was derzeit die Gemüter besonders erregt, ist die Korrektur des „Erneuerbare Energien Gesetzes“ (EEG). Zwar wird die Energiewende als zentrales, gemeinsames Projekt betrachtet, doch sitzen SPD und CDU offensichtlich gemeinsam im Bremserhäuschen. Die deutsche Solarindustrie ist praktisch kollabiert und die Windenergie wird ihr folgen, wenn die falschen Signale gesetzt werden. Die Energiewende ist Sache von uns allen – da müssen Bürger ebenso ihren Obolus leisten wie die Industrie. Naturgemäß jammert jedes Unternehmen über die finanzielle Belastung durch zu hohe Strompreise, und mit dem Argument der Arbeitsplätze lässt sich fast alles erpressen. Doch mit seinem 7-Punkte-Papier ist der Verband der Chemischen Industrie (VCI) übers Ziel hinaus geschossen. Die hohen Stromkosten in Deutschland seien ein Standortnachteil bei Investitionsplanungen. Eine Kostenreduzierung müsse erreicht werden durch Anpassung des Zubaus von EE-Anlagen an die Verfügbarkeit von Netzen und Speichern, durch eine Festsetzung von Maximalfördermengen, eine Absenkung der Einspeisetarife, die Abschaffung des Einspeisevorrangs und eine Beteiligung der Bestandsanlagen an der Finanzierung der Energiewende. Eine zukunftsorientierte Energiepolitik hört sich anders an.
Die Direktoren des Westfälischen Energieinstituts an der Hochschule Gelsenkirchen fordern völlig zu Recht, endlich auch den Nutzen der Energiewende zu sehen und ja nicht auf halbem Wege stehen zu bleiben. Eine sauberere Umwelt, eine sichere Energieversorgung, eine Unabhängigkeit von Energieimporten hat ihren Preis. Aber ist es das nicht wert? Eine rhetorische Frage. Eines wird immer wieder vergessen: Das Ausland schaut auf uns und beobachtet sehr genau, wie wir es schaffen. Das war auch auf der Ecomondo mehr als deutlich, einer Umweltmesse, die jedes Jahr zweistellige Zuwachsraten hat und die 100.000-Besucher-Marke ansteuert. Hier glänzten zwei Dinge: einmal deutsche Maschinenbauer mit ihren Produkten zum Rohstoffrecycling und einmal die Automobilindustrie – letztere allerdings mit der Abwesenheit innovativer Ideen. Enttäuschend, was die Autobauer in Sachen E-Mobilität vorzuweisen hatten. Biedere Karossen, viel zu schwer, zu teuer, zu geringe Reichweite – und der designverwöhnte Italiener wendet sich mit Grausen. Zwar widmete man der Stadt der Zukunft viel Platz, doch neue Mobilitätskonzepte und experimentelle Fahrzeuge fehlten. Es ist völlig falsch, einem konventionellen Pkw einfach einen Elektromotor und eine teure Batterie zu verpassen. Hier darf‘s konzeptionell schon ein Bissel mehr sein. Die Entsorgungsbranche ist da schon einen deutlichen Schritt weiter. Was bei den Müllsammelfahrzeugen mit Hybrid- und Brennstoffzellentechnik auf der letzten IFAT zu sehen war, macht Hoffnung auf die nächste. Es wird mit Sicherheit ein spannendes IFAT-Jahr, und bis dahin wird sich in Berlin auch eine Regierung konstituiert haben, die endlich verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen geschaffen hat.

Autor: Martin Boeckh
Foto: privat



Copyright: © Deutscher Fachverlag (DFV)
Quelle: November/Dezember 2013 (November 2013)
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