Eignung von Fischaufstiegsanlagen an Obermain und Rodach als Lebensräume und Migrationshilfen für Fische und Makroinvertebraten

Am Obermain und an der Rodach in Oberfranken haben in den letzten 20 Jahren umfassende und aus ökologischer Sicht erfolgreiche Renaturierungsmaßnahmen stattgefunden. Da das Fließgewässerkontinuum zwischen den Renaturierungsstrecken jedoch weiter durch mehrere Querbauwerke beeinträchtigt war, wurden Fischaufstiegsanlagen in Form von zwei Umgehungsgerinnen und einem Tümpel-Becken-Pass errichtet. Die vorliegende Arbeit untersucht die Funktionsfähigkeit dieser Anlagen hinsichtlich des Fischaufstieges aber auch hinsichtlich ihrer Eignung als Lebensraum und Wanderkorridor für Makroinvertebraten. Die naturnah gestalteten Umgehungsgerinne werden sowohl von allen vorkommenden Fischarten als auch von den aquatischen Makroinvertebraten angenommen. Hinsichtlich der Besiedelung mit Wirbellosen sind sie mit naturnahen Fließgewässerstrecken vergleichbar, was schon deshalb bemerkenswert ist, weil die direkt ober- und unterhalb der Anlagen liegenden Flussabschnitte wenig naturnah sind. Der untersuchte Tümpel-Becken-Pass schneidet weniger gut ab. Er wird nicht von allen Fischarten in gleicher Weise angenommen und hinsichtlich seiner Makroinvertebraten-Fauna nur als unbefriedigend bewertet.

Fischaufstiegsanlagen (FAA) dienen – ihrem Namen entsprechend – in erster Linie zur Herstellung der ökologischen Durchgängigkeit des jeweiligen Gewässers für Fische. Diesbezüglich liegen zahlreiche Funktionskontrollen vor, die jedoch oft wesentliche funktionale Aspekte ausblenden. So wurde die Nutzbarkeit solcher Anlagen für Makroinvertebraten bisher kaum untersucht, obwohl mit Blick auf die Zielerreichung der EG-Wasserrahmenrichtlinie eine entsprechende Durchwanderbarkeit der Gewässersysteme auch für die Makroinvertebraten von Bedeutung ist. Auch neuere, vom ichthyobiologischen Standpunkt her ausgereifte Arbeiten (z. B.) gehen auf diesen Aspekt nicht ein.
Insbesondere für Gewässer wie den Obermain und die Rodach, die in den letzten 20 Jahren umfangreichen Renaturierungsmaßnahmen unterlagen, ist es wichtig, dass die nachgewiesenen positiven ökologischen Effekte dieser Maßnahmen nicht durch fehlende Durchgängigkeit der nicht oder weniger renaturierten Gewässerabschnitte konterkariert werden. Daher wurden in den letzten 10 Jahren sieben FAA im Obermain und in der Rodach errichtet, von denen eine im Obermain und zwei in der Rodach nun untersucht wurden (zwei Umgehungsgerinne und ein Tümpel-Beckenpass).
Durch Erfolgskontrollen in 2011 sollten sowohl die Eignung als Lebensraum für Makroinvertebraten und Fische als auch die Passierbarkeit für Fische untersucht werden. Dazu wurde der Bestand an Makroinvertebraten und Fischen ermittelt sowie die vorgefundenen Lebensgemeinschaften ökologisch bewertet. Bei den Makroinvertebraten wurde das Arteninventar der Anlagen mit renaturierten und nicht renaturierten Bereichen ca. 2 km bis 12 km oberhalb und unterhalb der Anlagen verglichen. Die Fischbestände der einzelnen FAA wurden untereinander verglichen und in Bezug zur jeweiligen Gestalt der Anlage gesetzt. Zudem wurde das potenziell nutzbare Nahrungsangebot an Makroinvertebraten für Fische in den einzelnen Anlagen qualitativ bewertet.



Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasserwirtschaft 1-2/2013 (Januar 2013)
Seiten: 8
Preis inkl. MwSt.: € 10,90
Autor: Prof. Dr. Volker Lüderitz
Dr. Uta Langheinrich
Dipl.-Ing. Michael Seidel
Dr. Thomas Speierl

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