Wasserrechtliche Bewertung der unkonventionellen Erdgasförderung mittels Fracking

BeFracking verursacht unter- und oberirdische Risiken für das Grundwasser. Nachfolgend wird untersucht, mit welchen Regelungskonzepten und Instrumenten das Wasserschutzrecht diese Risiken zu bewältigen versucht und wie die Regelungen verstanden werden müssen, um dies leisten zu können.

In Deutschland wird die Erdgasgewinnung aus unkonventionellen Lagerstätten derzeit intensiv diskutiert. Grund hierfür sind einerseits Berichte aus den USA, die eine unkontrollierte Ausbreitung von Erdgasbohrungen sowie damit verbundene Umweltprobleme aufzeigen, und andererseits erste Anträge von Unternehmen auf Erkundung des Untergrunds zunächst in den Bundesländern Nordrhein- Westfalen und Niedersachsen, mittlerweile z. B. auch in Hessen, Thüringen und Sachsen-Anhalt. Soll Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten gewonnen werden, ist es meist erforderlich, das gashaltige Gestein in großen Tiefen aufzubrechen, um den Gasfluss zu ermöglichen oder zu verbessern. Das Aufbrechen des Gesteins erfolgt durch die Methode des Hydraulic Fracturing, indem eine „Frack-Flüssigkeit“, die aus Wasser, Sand und Chemikalien besteht, unter hohem Druck in die zuvor niedergebrachte Bohrung für etwa zwei Stunden eingepresst wird. Dadurch entstehen Risse und somit „künstliche“ Verbindungen im Gestein. Danach wird der Druck im Bohrloch wieder gemindert und ein Teil der eingesetzten Frack-Flüssigkeit zusammen mit Lagerstättenwasser (Flowback) durch Rückspülung wieder zu Tage gefördert. Im Anschluss daran beginnt die Gasförderung [7]. Risiken für das Schutzgut Wasser können ober- und unterirdisch entstehen. Oberirdisch kann Frack-Flüssigkeit beim Anliefern, Mischen und Einpressen ins Bohrloch sowie beim Aufnehmen und Abtransportieren nach dem Rückspülen ins Erdreich eindringen und das Grundwasser gefährden. Unterirdisch kann Frack-Flüssigkeit beim Fracking-Prozess unmittelbar ins Grundwasser gelangen, wenn die unterirdischen Rohrleitungen versagen. Mittelbar kann ein Risiko entstehen, wenn die Frack-Flüssigkeit mitteloder langfristig ins Grundwasser gelangt, falls Frack-Flüssigkeit oder Erdgas (Methan) in grundwasserführende Gesteinsschichten aufsteigen [9]. Weitere Risiken ergeben sich aus dem Flowback, das mit Gas, Schwermetallen und radioaktiven Stoffen angereichert sein kann, durch Beförderungsvorgänge und Verpressen im Untergrund.



Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasser und Abfall 09/2012 (September 2012)
Seiten: 4
Preis: € 10,90
Autor: Prof. Dr. Alexander Roßnagel
Dr. iur. Anja Hentschel
LL.M. Andreas Polzer

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