Die strombauliche Entwicklung des Schifffahrtsweges Tideelbe im 20. Jahrhundert und die Herausforderungen für die Zukunft

Die Elbe als wichtiges deutsches Ästuar ist trotz der großen wirtschaftlichen Bedeutung als Wasserstraße ein wertvoller Lebensraum. Die lange Geschichte des Strombaus ist gekennzeichnet durch unerwartete Reaktionen des Flusses und sich daraus ergebende Paradigmenwechsel. So hat die ursprüngliche Strategie, viel Tideenergie in den Strom zu lassen und zur Erhaltung der Wassertiefen zu nutzen, Folgen hervorgebracht, die einhundert Jahre später zur völligen Umkehrung des Konzeptes führten, indem man heute bemüht ist, die maximal mögliche Tidedämpfung zu erhalten. Neben diesen Anstrengungen sind die Forderungen des Europäischen Umweltrechtes zu erfüllen, wie z. B. die Erhaltung des ökologischen Zustandes. Dies wird umgesetzt, indem ein Zielsystem formuliert wird sowie mit Hilfe eines Monitorings und einer fachübergreifenden Abwägung die Optimierung der Unterhaltungsstrategie durch
die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes entwickelt wird.

Die Tideelbe reicht von der Mündung in die Nordsee bei Cuxhaven bis zum Wehr bei Geesthacht und hat damit eine Länge von rund 142 km. Bezüglich der Morphologie mit den beidseitig des Stromes verlaufenden Inseln und Wattgebieten sowie der Tidedynamik liegt die Mündung bei der Insel Scharhörn, die Tideelbe wird so gesehen 176 km lang. Im Bereich von Hamburg befand sich schon vor eintausend Jahren ein Stromspaltungsgebiet, von dem heute noch die Norderelbe und die Süderelbe mit dem Köhlbrand existieren. Unterhalb von Hamburg hat der Strom einige Inseln, um sich im Bereich Brunsbüttel zu einem Mündungstrichter zu öffnen, der rund 50 km Länge und bis zu 18 km Breite aufweist. Der Oberwasserabfluss schwankt zwischen 280 m3/s und 1 800 m3/s mit einem Mittel von 700 m3/s. Im tidebeeinflussten Unterlauf wirkt sich der Oberwasserabfluss nur noch auf die Salzgehaltsverteilung und das Sedimenttransportregime aus; der Betrag der Gezeitenströmungen ist wesentlich höher. Die Flutströmung erreicht bei Cuxhaven Werte von 50 000 m3/s. Entsprechend groß sind die Sedimentbewegungen dieses Gebietes, die das wasserbauliche Handeln der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) besonders fordern.



Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasserwirtschaft 6 / 2011 (Juni 2011)
Seiten: 5
Preis: € 10,90
Autor: Karsten Thode
Dr. Günther Eichweber

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