Glückwünsche aus Bayern - Grußwort von Rüdiger Weiß, Geschäftsführer des VBS, zu 25 Jahre ENTSORGA-Magazin

Der Freistaat Bayern nimmt seit vielen Jahren eine führende Rolle in der Umweltpolitik ein: So wurde 1970 in Bayern das erste Umweltministerium in ganz Europa geschaffen, 1984 das Staatsziel "Umweltschutz" in die bayerische Verfassung aufgenommen.

(09.10.07) Zudem wurden bereits Anfang der 80er Jahre Pilotversuche und Modellprojekte zur Getrennt- und Gemischterfassung von wieder verwertbaren Abfällen in Hol- und Bringsystemen durchgeführt und die Nachsortierung unterschiedlicher Fraktionen erprobt.

Eine regionale Besonderheit stellt zweifellos der Verband der Bayerischen Entsorgungsunternehmen e.V. (VBS) als rechtlich selbständiger Entsorgerverband in Bayern dar. Mit seinen rund 180 Mitgliedern repräsentiert er die Entsorgungswirtschaft in Bayern, die ganz überwiegend mittelständisch strukturiert ist. Der VBS ist korporatives Mitglied im BDE und wirkt durch seine aktive Mitarbeit in den Fachbereichen und Arbeitskreisen an der verbandsinternen Willensbildung mit. Dass der VBS hier vorrangig mittelständische Interessen vertritt, liegt auf der Hand. Diese seit über drei Jahrzehnten bestehende enge Partnerschaft hat sich für beide Seiten - BDE und VBS - bewährt.

Die Vorteile mittelständischer Entsorgungsstrukturen sind offenkundig: Ein wesentlicher Pluspunkt sind flexible, direkt auf die Kundenwünsche ausgerichtete Entsorgungsdienstleistungsangebote. Die unmittelbar verantwortlichen Ansprechpartner sitzen in Kundennähe vor Ort. Deutschlandweit oder gar europaweit tätige Entsorgungskonzerne hingegen können nicht in gleicher Weise auf regionale Strukturen und Notwendigkeiten Rücksicht nehmen.

Blieben die kleinen und mittleren Unternehmen in der Entsorgungswirtschaft in Bayern auf der Strecke, würden oligopolartige Strukturen Platz greifen. Dies würde letztendlich zu Abhängigkeiten der Abfallerzeuger von wenigen Dienstleistern führen. Die Auswüchse der Energiebranche können hier als warnendes Beispiel dienen.

Die mittelständischen bayerischen Entsorgungsunternehmen sind sich ihrer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung bewusst: Sie bilden aus und schaffen Arbeitsplätze. Gleichzeitig sind sie Garanten für Innovation in der Entsorgungslogistik. So werden inzwischen rund 71 Prozent des bayerischen Abfallaufkommens recycelt oder als Ersatz für primäre Energieträger genutzt, ein Spitzenwert im bundesweiten wie internationalen Vergleich.

Mit Sorge betrachtet der VBS zwei gefährliche Tendenzen: Teilweise gehen auch in Bayern Landkreise dazu über, ihre Entsorgungsleistungen zu bündeln um dadurch vermeintliche Synergieeffekte im Kostenbereich zu erzielen. Dies verstärkt Tendenzen zur Konzentration und schwächt kleine und mittlere Unternehmen. Aus diesem Grund plädiert der VBS schon seit Jahren für kleinere Losgrößen, für die Schaffung mittelstandsgerechter Einheiten.

Eine neue gefährliche Entwicklung für mittelständische Unternehmen liegt in der Tendenz zur Rekommunalisierung. Aus Sicht des VBS gibt es keinen zwingenden sachlichen Grund dafür, dass die Öffentliche Hand Abfallentsorgung betreibt. Privatunternehmen beweisen seit Jahren, dass sie anerkanntermaßen preiswert und zuverlässig arbeiten. Der VBS ist aus ordnungspolitischer Sicht der Überzeugung, dass die wirtschaftliche Betätigung der öffentlichen Hand auf Fälle beschränkt sein solle, in denen der Markt ausnahmsweise versage, ansonsten sollte der Grundsatz gelten: "Wo aber der Markt funktioniert, hat der Staat nichts verloren".

Abschließend ein herzlicher Glückwunsch im Namen des VBS zum 25-jährigen Jubiläum des ENTSORGA-Magazins. Bitte machen Sie so weiter wie bisher!


Unternehmen, Behörden + Verbände:
Autorenhinweis: Rüdiger Weiß, Geschäftsführer des VBS



Copyright: © Deutscher Fachverlag (DFV)
Quelle: Oktober 2007 (Oktober 2007)
Seiten: 1
Preis inkl. MwSt.: € 0,00
Autor: Rüdiger Weiß

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