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Laufzeiten der Atomkraftwerke verlängern – aber unter Bedingungen!

Mittwoch, 27. Februar 2009
Unter der Bedingung der Umschichtung der freiwerdenden Geldmittel für Erneuerbare Energien und Kraft-Wärme-Kopplung wäre die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken wünschenswert

Die erneuerbaren Energien, insbesondere die Solartechniken, weisen trotz ihrer überzeugenden Zukunftsbedeutung zur Zeit eine noch zu geringe Effizienz auf, als dass sie generell regelversorgungstauglich wären. Sie schon heute forciert zur Verdrängung von Kohle, Gas, Öl usw. einsetzen zu wollen, ist volkswirtschaftlich nicht unproblematisch. Dem Umstieg wäre mehr gedient, wenn der Förderschwerpunkt bei gleichzeitig verstärkter Degression der Einspeisegebühren auf „Forschung und Entwicklung“ verlagert werden würde.
 
Wir brauchen noch Zeit, um die erneuerbaren Energien aus Sonne, Wind, Wasser, Geothermie, etc. auf ein volkswirtschaftlich vertretbares Kostenniveau zu bringen. Auf dem Weg dahin bedarf es einer Regelung, die den Ersatz- und Zubau von Kraftwerkskapazität (durchaus auch für den Einsatz von Kohle) nur noch auf der Basis von Kraftwärmekopplung mit mindestens 80%iger Energie-Effizienz zulässt und die Laufzeitbegrenzung bestehender Atomkraftwerke aufhebt.
 
Bedingung: Streichung der Subventionen für die Atomwirtschaft und Umschichtung der freiwerdenden Mittel zugunsten der Langfristzielsetzung "Erneuerbare Energien". Folgende Subventionen wären zu streichen:
 
  • Haftungsdeckelung bei Reaktorunfällen mit (unausgesprochener) Übernahme durch den Staat
  • steuerliche Freistellung der für die Haftungsmasse benötigten Gewinne
  • anteilige Aufwändungen für die Atommüll-Entsorgung
  •  
    Wünschenswert wäre ein entsprechender Pakt mit der Energiewirtschaft. Der Gesetzgeber könnte eine solche Regelung aber auch einseitig in Kraft setzen.
     
    Rechtsanwalt Dr. Karl Ihmels, Landrat a.D.




    Kommentare:

    Bedingungen der Urangewinnung mitbetrachten von Richard Geiger (Stadt Landshut, Amt für öffentliche Ordnung und Umwelt), am 03.03.2009
    Wenn über eine Laufzeitverlängerung gesprochen wird, müssen die menschlichen und ökologischen Auswirkungen der Urangewinnung einbezogen werden. In den Urangewinnungsgebieten müssen internationales Völkerrecht und die internationalen Arbeitsschutzbedingungen der ILO eingehalten werden. Der (m.E. fragwürdige)Beitrag zum Klimaschutz darf nicht durch Ausblenden der katastrophalen Zustände bei der Urangewinnung (Fehlgeburtenrate usw.) schöngeredet werden. Klimaschutz und Menschenwürde dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden.


    Laufzeit der Atomkraftwerke verlängern - aber ... von Günter Röhrer (), am 29.05.2009
    Ein Riesenproblem der ganzen Atompolitik ist
    zweifellos die -Entlagerung- des atomaren Mülls!
    Es ist auch nicht damit gelöst, wenn man die
    abgebrannten Brennstäbe irgendwo "vergräbt",
    egal in welchem Bergwerksstollen! Denn irgenwann
    sind diese "Lagerstätten", die weiterhin "ge-
    pflegt" (Wassereinbrüche, Instandhaltung,...)
    werden müssen und somit Milliarden verschlingen,
    dann ausgefüllt!
    Nachfolgende Generationen werden sich freuen
    über unsere Gleichgültigkeit der langfristigen
    Entwicklungen, welche uns allen bekannt sind!


    Warum nicht? von Dipl.-Ing. Werner P. Bauer (ia GmbH - Wissensmanagement und Ingenieurleistungen), am 26.06.2009
    Auf der Seite des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit habe ich das Zitat von Umweltminister Sigmar Gabriel gelsen: "Atomkraft und erneuerbare Energien passen nicht zusammen"
    Ich finde dagegen, dass der Ansatz von Dr. Ihmels sehr wohl näher diskutiert werden sollte. Die "katastrophalen Zustände bei der Urangewinnung" sind perfide und verabscheuungswürdig... nur dient dieses Argument dem Ausbau der Erneuerbaren Energien leider wenig.


    Rioverträglichkeit prüfen von Richard Geiger (Stadt Landshut, Amt für öffentliche Ordnung und Umwelt), am 11.08.2009
    178 Staaten haben 1992 in Rio die fünf "Rio-Dokumente" unterzeichnet. Sie sind Völkerrecht. In der Riodeklaration haben wir uns verbindlich für eine Entwicklung verpflichtet, die gleichermaßen 1. solzialverträglich ist, als Grunsvoraussetzung für ein friedvolles Zusammenleben aller, die 2. eine lebendige Wirtschaft fördert, die der Aufgabe der Versorgung gerecht werden kann und die 3. die die Umwelt schützt als unsere Lebensgrundlage. Das ist die Messlatte für unsere Entwicklungen. Wir dürfen nicht Klimaschutz auf Kosten von Menschenschutz oder auf Kosten einer funktionierenden Wirtschaft betreiben. Weder Palmöl noch Ausbeutung noch weiter wie bisher sind die Lösung. Der Vorschlag von Herrn Dr. Ihmels hat den wichtigen Ansatz, Kostentransparenz zu schaffen. Gleiches gilt für die Anmerkungen von Herrn Röhrer. Welche Kosten verursachen wir langfristig? Neben den Kosten ist aber immer gleichwertig die Sozialverträglichkeit (werden internationale Arbeitsschutznormen eingehlaten?) und die Ökoverträglichkeit zu prüfen. Es geht letztlich nicht um Argumente für regenerative Energien (siehe Tank oder Teller) sondern um rioverträgliche Entwicklungen, also um Nachhaltigkeit. Klingt theoretisch, sollte man aber praktisch immer im Kopf haben.


    Nein! von F. Gerdens (), am 16.11.2009
    Es macht mich sehr traurig, dass jetzt in der neuen Regierung dieses Thema tatsächlich wieder aktuell ist.
    Wann werden wir endlich begreifen, was wir uns mit dieser Technik antun? Unter unseren Füßen in Stollen und in unseren Meeren verrottenn Zeitbomben, die einfach keine längeren Laufzeiten rechtfertigen!!!


    Erneuerbare Energien schaffen Arbeitsplätze ! von Günter Röhrer (), am 31.12.2009
    Auch wenn Hr. Dipl.-Ing. W.Bauer die "katastro-
    phalen Zustände" bei der Urangewinnung erwähnt,
    gleichzeitig darauf hinweißt, dass dieses Ar-
    gument wenig der Ausbau der -erneuerbaren Ener-
    gien- nützt, so muss doch ganz klar der Punkt
    der Arbeitsplätze erwähnt werden!
    Denn, dass -erneuerbare Energieträger- wesentlich
    mehr Arbeitsplätze schaffen, scheint unbe-
    stritten!


    100% erneuerbare Stromversorgung bis 2050 ist klimaverträglich, sicher und bezahlbar von Prof. Dr.-Ing. Martin Faulstich (Technical University of Munich, Germany), am 17.05.2010
    Sehr geehrte Damen und Herren,

    auf Wunsch aller im Bundestag vertretenen Fraktionen hat der SRU am 5. Mai des Jahres seine Stellungnahme „100% erneuerbare Stromversorgung bis 2050: klimaverträglich, sicher, bezahlbar“ im Umweltausschuss des Deutschen Bundestages vorgestellt. Es handelt sich dabei um die technisch-ökonomischen Szenarien aus dem für Herbst geplanten Sondergutachten zu einer „Nachhaltigen Stromversorgung“.

    Der SRU hat sich entschieden, diese Szenarien vorab zu veröffentlichen, um sie rechtzeitig als Beitrag in die Diskussion um das Energiekonzept der Bundesregierung einzubringen. Nach dem aktuellen Informationsstand des SRU fokussieren die von der Bundesregierung in Auftrag gegebenen Szenarien auf unterschiedliche Fristen für die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken. Die Option einer 100 % erneuerbaren Stromversorgung wird hingegen nicht betrachtet. Der von der Bundesregierung ursprünglich angestrebte „Weg ins regenerative Zeitalter“ droht damit aus dem Blick zu geraten.

    Der SRU hat die Option einer regenerativen Vollversorgung bis 2050 in mehreren Szenarien untersuchen lassen und kommt zu der Schlussfolgerung, dass diese realisierbar und auch ökonomisch vorteilhaft ist.

    Wir vom SRU laden Sie nunmehr herzlich ein zur öffentlichen Präsentation und Diskussion der Stellungnahme am Mittwoch, 26. Mai 2010 um 18.00 Uhr in der
    KfW Bankengruppe, Niederlassung Berlin
    Historischer Kassensaal
    Eingang Behrensstr. 33
    10117 Berlin


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