Ein zweites Leben für Carbonfasern: Das Recycling technischer Textilien macht Fortschritte

Fast alle Altkleider starten als Secondhand ein zweites Leben, werden technisch recycelt oder zur Energiegewinnung verbrannt. Von diesem Kreislauf-Niveau können Hersteller technischer Textilien nur träumen. Weil deren Anteil an der heimischen Textilproduktion aber weiter zunimmt, stellt sich die Frage nach ihrer Rückgewinnung immer drängender. Vor allem bei teuren Hochleistungsfasern aus Carbon.

Foto: pixabay/BeaBeste (02.05.2017) Ein Reitplatz irgendwo in Deutschland: Gemütlich traben die Pferde über den Sand, immer wieder kommen dabei Fetzen von Vliesstoff zum Vorschein. Es sind Reste eines Kunstwerkes, mit dem der Verhüllungskünstler Christo im Sommer 2016 über eine Million Menschen an den Iseosee in Oberitalien gelockt hatte. Angelegt als künstlicher Spazierweg, schwammen dort als ‚Floating Piers’ 200.000 Würfel, überzogen mit Vliesstoff und einem gelb-orangefarbenen Gewebe. Beides kam am Ende seiner Italienreise zur Altex Textil-Recycling GmbH (Motto: „Qualität aus jeder Faser“) ins westfälische Gronau.
In dem Unternehmen, das monatlich etwa 3000 Tonnen Textilien recycelt, wurden die Bestandteile von Christos Kunstwerk – der Vliesstoff in Teilen, das Gewebe gänzlich – geschnitten, aufgerissen und zer- In Deutschland recycelt: Das Kunstprojekt ‚Floating Piers’ des Verhüllungskünstlers Christo auf dem norditalienischen Iseosee bestand aus 200.000 Würfeln, überzogen mit Vliesstoff und einem gelb-orangefarbenen Gewebe. Foto: pixabay/BeaBeste Fast alle Altkleider starten als Secondhand ein zweites Leben, werden technisch recycelt oder zur Energiegewinnung verbrannt. Von diesem Kreislauf-Niveau können Hersteller technischer Textilien nur träumen. Weil deren Anteil an der heimischen Textilproduktion aber weiter zunimmt, stellt sich die Frage nach ihrer Rückgewinnung immer drängender. Vor allem bei teuren Hochleistungsfasern aus Carbon. kleinert. „Genau wie Altkleider lassen sich technische Textilien und Vliesstoffe zu Autoteilen wie Hutablagen, Designerteppichen, Möbelpackdecken, Schutz- und Malervliesen verarbeiten – oder eben auf Reitplätzen ausstreuen“, sagt Altex-Chef Karsten Stienemann. Die Erzeugung von Reißfasern aus Alttextilien und deren Wiedereinsatz stellt seit Jahrhunderten eine effektive Recyclinglösung dar, die sich jedoch bei manchen Fasern nicht ohne weiteres anwenden lässt...

Unternehmen, Behörden + Verbände: Altex Textil-Recycling GmbH & Co. KG (Gronau/Westfalen); Sächsisches Textilforschungsinstitut (STFI) (Chemnitz); CarboNXT“ GmbH (Wischhafen); Hohenstein Institute (Bönnigheim); Institut für Textilmaschinen und Textile Hochleistungswerkstofftechnik (ITM) der TU Dresden (Dresden); Oskar DILO Maschinenfabrik (Eberbach), Messe Frankfurt
Autorenhinweis: Ronny Eckert, Berlin
Foto: pixabay/BeaBeste



Copyright: © Deutscher Fachverlag (DFV)
Quelle: Nr. 3 - Mai 2017 (Mai 2017)
Seiten: 4
Preis: € 4,00
Autor: Ronny Eckert

Artikel weiterleiten In den Warenkorb legen Artikel kommentieren


Diese Fachartikel könnten Sie auch interessieren:

Optionen zur Integration automatisierter Fremdstoffausschleusung bei der Biogutbehandlung
© Witzenhausen-Institut für Abfall, Umwelt und Energie GmbH (11/2017)
Steigende Qualitätsanforderungen an Gärprodukte und Komposte aus Biogut sowie rapide gestiegene Kosten für die Entsorgung von Siebüberläufen erfordern Maß-nahmen sowohl bei der Erfassung und Qualitätskontrolle von Biogut als auch bei der technischen Ausstattung der Behandlungsanlagen.

Massiv unter Druck: Kanalballenpresse für wirtschaftliche Lkw-Auslastung
© Deutscher Fachverlag (DFV) (11/2017)
HSM GmbH + Co. KG, der süddeutsche Hersteller von Ballenpressen, PET-Lösungen und Aktenvernichtern, bietet mit seinem Produktprogramm wirtschaftliche Lösungen für Entsorger und Anwender in der Industrie. Die Ballenpressen sind dafür geeignet, Abfallmaterialien um bis zu 95 Prozent zu verdichten und zu gut transportierbaren Ballen zu verpressen.

Trennung unter Schock: Fraunhofer Projektgruppe testet elektrohydraulische Zerkleinerung von werthaltigen Reststoffen
© Deutscher Fachverlag (DFV) (11/2017)
Mit Hilfe der elektrohydraulischen Zerkleinerung ist es möglich, in einem Recyclingprozess Stoffe selektiv zu trennen und dadurch Prozessschritte in konventionellen Verfahren einzusparen. Die Technologie eignet sich sowohl für die Rückgewinnung von Wertstoffen aus primären als auch aus sekundären Rohstoffquellen. Das Verfahren wird derzeit von der Fraunhofer Projektgruppe für Wertstoffkreisläufe und Ressourcenstrategie (IWKS) getestet.

Zweifach genutzt: Zellulose aus benutztem Toilettenpapier lässt sich wiederverwerten
© Deutscher Fachverlag (DFV) (11/2017)
Ein niederländisches Unternehmen hat sich auf die Zurückgewinnung und Wiederverwendung von recycelter Zellulose aus Abwasser spezialisiert. Mit der offiziellen Einweihung der weltweit ersten Zellulose-Produktionsstätte als Großprojekt wurden erstmalig pro Tag etwa 400 kg an Zellulose, dem Hauptbestandteil von Toilettenpapier, aus Abwasser gewonnen, gereinigt und hygienisiert, um daraus anschließend hochwertige Produkte herzustellen.

Signale in Echtzeit verarbeitet: Sensorfusion macht Sortieraufgaben effizienter
© Deutscher Fachverlag (DFV) (9/2017)
Die österreichische Firma Binder+Co AG hat mit der Entwicklung der ‚Sensorfusion’ eine neue Sensorkombination geschaffen. Dadurch kann sie nun optische Sortierer mit besonderer Flexibilität in Bezug auf die Eigenschaftsdetektion und -verknüpfung anbieten. Die Sensorfusion ermöglicht nicht nur die Detektion einer Vielzahl von Objektmerkmalen, sondern auch deren Verknüpfung in einem einzigen Prozessor.

Name:

Passwort:

 Angemeldet bleiben

Passwort vergessen?

Cleantech Experten
 
Dipl.-Ing. Werner Weßing
Dipl. Ing. Olaf Dechow
Michael Haas
zu den jüngsten Änderungen
 

Werben in ASK
-
schlagwortsensibel